Die Eschersche Schleife der Integration

MigrantIn ist in dem Integrationsdiskurs immer eine Gestalt des Mangels. Es fehlt da in dieser Figur, in diesem Mann, in dieser Frau, in diesem Kind etwas, etwas, was dazu führen kann, dass sie scheitern und dass sie nie das erreichen, was sonst alle anderen, die Mehrheitsangehörigen, erreichen können. Integration ist der Name für diese Zuschreibung des Mangels. Eine Zuschreibung, die wahr ist, denn sie kommt nicht von einzelnen Menschen (auch da wissen wir, dass die Zuschreibungen wirksam werden, wenn sie von den Autoritätspersonen getätigt werden), sondern von einer ganzen Struktur, die eigentlich das ist, was den Nationalstaat ausmacht. Es ist die Vorgangsweise des ideologischen Staatsapparates. Integration ist das lachende Gesicht eines Polizeieinsatzes. In dieser Hinsicht kann durchaus gesagt werden, dass es sich um eine bisher erfolgreiche taktische Vorgangsweise handelt. Es geht erstens um die Verdeckung der Realität, es geht zweitens um die Tradierung eines Ungerechtigkeitssystems, und das dritte ist – eigentlich das, was die Sache ausmacht, – die Einschreibung des Mangels.  Insgesamt kann gesagt werden, dass es um die Produktion von sich selbst in sich als mangelnden Wesen glaubenden Menschen geht. Das Perfide dabei ist, dass es aus diesem System keinen Ausweg gibt: Diejenigen, die zu integrieren sind, und das sind alle MigrantInnen, mehr noch, es sind alle diejenigen, die in dem System des Nationalstaates die Funktion der Minderheiten zugeschrieben bekommen (in manchen Wiener Schulen machen sie sogar 80 Prozent der SchülerInnen aus) werden nie integriert sein. Aus einem einfachen Grund: Das System kennt das Ende der Gleichung nicht. Es ist eine Taktik, die nicht einen Sieg am Ende der Schlacht kennt, sondern eine, die diejenigen, auf die sie sich bezieht, auf die sie zielt, in eine in die Unendlichkeit laufende Maßnahmenschleife schließt. So laufen sie, die Minderheiten, in dieser Escherschen Schleife in der Unendlichkeit herum, und noch dazu werden sie als undankbar verschmäht. Das alles ist Integration, so wie dieser Begriff heute von den staatlichen und parastaatlichen Institutionen, den NGOs, verwendet wird.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s